David Weiss – Experimentelle Bronze

Zusammenfassung: Eine archetypische Stele als Tor zu verborgenen Mythen

Vor einem diffusen, grünen Hintergrund erhebt sich ein rätselhaftes Objekt – eine steinerne oder metallene Stele, deren verwitterte Oberfläche von tiefen Kerben und symbolträchtigen Reliefs durchzogen ist. Das Werk wirkt wie ein Relikt aus einer vergessenen Zeit, das unvermittelt in die Gegenwart geraten ist. Seine raue, erdige Patina und die zackigen Ränder vermitteln Alter und Beständigkeit, während das helle Tageslicht die dreidimensionale Textur der eingravierten Motive scharf konturiert.

Die vertikale Komposition lenkt den Blick entlang einer symbolischen Erzählung: Oben thront ein stilisierter Tierkopf, der Schutz und Urinstinkt verkörpert. Darunter verschmelzen Sichelmond und strahlende Sonne zu einem kosmischen Zeichen der Dualität – Licht und Dunkel, Männlich und Weiblich, Werden und Vergehen. Am unteren Ende öffnet sich ein allsehendes Auge, das Erkenntnis und innere Schau verspricht. Diese Anordnung folgt einem Initiationspfad, der vom Animalischen über die kosmische Ordnung zur spirituellen Erleuchtung führt.

Psychologisch und philosophisch wird das Werk zum Spiegel des kollektiven Unbewussten. Die universellen Symbole – Mond, Sonne, Auge – wecken archetypische Resonanzen und verweisen auf die ewige Suche des Menschen nach Sinn. Kunsthistorisch lässt sich die Stele dem Neo-Primitivismus zuordnen, der sich bewusst von der glatten Moderne abgrenzt und stattdessen die rohe, ausdrucksstarke Formensprache indigener Kulturen aufgreift. Wie ein moderner Totempfahl verbindet das Objekt Vergangenheit und Gegenwart und erinnert daran, dass die Mythen der Vorzeit in uns weiterleben – verborgen, aber stets gegenwärtig.


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