
Als aktuelles Forestival-Projekt verwandelt die Galerie im Theater Lahnstein den Ort in einen lebendigen Schauplatz zweier außergewöhnlicher künstlerischer Positionen. Unter dem Titel „Aneignung der Welt“ präsentiert das Forestival mit Udo Havekost und David Hardy zwei Künstler, die zwar tief mit der Region verwurzelt sind, deren Schaffen jedoch eine radikale, internationale Strahlkraft besitzt, die man hier kaum vermuten würde. Beide zeigen nacheinander ihre Arbeiten – in einem bewusst gestalteten Übergang, der keine scharfen Trennlinien kennt.
Udo Havekost – Raum und Ritual Den Auftakt macht der Holzbildhauer und Installationskünstler Udo Havekost. Als enger Weggefährte des Regisseurs Christoph Schlingensief begleitete er von 2004 bis 2010 einige der radikalsten Momente des deutschen Gegenwartstheaters. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die „Church of Fear“, die Havekost in der Galerie neu errichten wird. Es ist kein konventionelles Kunstobjekt, sondern eine begehbare Glaubensstruktur, die den Raum regelrecht besetzt und das Verhältnis von Gemeinschaft, Glaube und Schrecken verhandelt. Begleitet von Skulpturen voller handwerklicher Präzision und konzeptueller Radikalität, zeigt Havekost Objekte, die nicht für Vitrinen gebaut wurden, sondern von Patina, Eigenwillen und einem bereits gelebten Leben zeugen. (Vernissage: 23. Mai 2026)
David Hardy – Le Suisse Marocain Im Herbst übernimmt David Hardy den Raum. In Lahnstein aufgewachsen, zog es ihn nach Paris und hinaus in die Welt. 1996 besetzte er in der Pariser 59 rue de Rivoli in Fluxus-Manier ein Gebäude, das heute ein international renommiertes Kunstzentrum ist. Dort lebt und arbeitet er bis heute in seinem installativen Sammelsurium, dem „Musée Igor Balut“. Hardy nennt sich selbst „Le Suisse Marocain“ – eine Identität quer zu jeder geografischen Logik. Er übermalt alte Landkarten und Kassenbücher bis zur völligen Unkenntlichkeit der ursprünglichen Grenzen. Dieses ständige Überschreiben ist keine Metapher, sondern Methode und Widerstand zugleich. Seine Ausstellung ist eine Heimkehr, aber keine nostalgische: Lahnstein ist für ihn lediglich ein weiterer Punkt auf einer Karte, die er seit Jahrzehnten unermüdlich überschreibt. (Vernissage: 28. Oktober 2026)
Der Übergang als Konzept Der fließende Wechsel zwischen den beiden Künstlern ist keine logistische Notwendigkeit, sondern eine zentrale kuratorische Entscheidung. Was von Havekosts massiven Rauminstallationen stehen bleibt, wenn Hardy einzieht, macht den Übergang selbst zum Kunstwerk, denn Kunst braucht keine sauberen Schnitte. Beide Künstler vereint mehr, als der erste Blick verrät: Sie nehmen sich Räume, verbinden Handwerk mit konzeptuellem Ernst und bewegen sich konsequent abseits geebneter institutioneller Pfade. Es sind zwei radikale Positionen, die das spartenübergreifende Spektrum des Forestivals nicht nur abbilden, sondern im Kern ausmachen.
MAI – Dezember 2026 · THEATER LAHNSTEIN
